Das Lied vom Feuerwein

CD Cover: Es lacht der Feuerwein - Manfred Mainz

Der leider viel zu früh verstorbene Sänger und Komponist Manfred Mainz (mit bürgerlichem Namen: Manfred Eichhorn) schrieb mit Jean Chardonnay die Musik und zusammen mit D. W. Grossmann den Text des Liedes:
Es lacht der Feuerwein”.

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Eichhorn können Sie es hier anhören.

Es lacht der Feuerwein 2:59 (Manfred Mainz)

Oberdiebacher Feuerwein

Text: Otto Blum, Oberdiebach und Prof. Dr. H. R. Eschnauer, Mainz

Eine besondere Kunst der Weinzubereitung, der so genannte Feuerwein, war in Oberdiebach vom Mittelalter bis in die Neuzeit zu Hause. Oberdiebach war das mittelrheinische Feuerwein-Zentrum für den heimischen Markt, und vor allem auch für den Exportmarkt nach Holland, England und den Ländern der Hanse. Feuerwein war ein begehrter, wertvoller und edler Trank, der sich durch seine spritzige Würzigkeit und seine liebliche Süße auszeichnete.

Feuerwein in der KammerSchon die Römer veredelten Most und Wein mit Wärme und Feuer. Bei Karl dem Großen, der um das Jahr 800 am Rhein den Weinbau und die Weinqualität förderte, gehörte „vinum coctum”, ein mit Wärme und Feuer veredelter Wein, zur Vorratshaltung. Kaiser Maximilian gar schützte Anno 1497 im ersten Deutschen Weingesetz die Qualität und Reinheit des Feuerweines.

Spezialisten, die Feuermeister, hatten ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es galt den richtigen Lesetermin für die Trauben zu finden. Es wurden nur vollreife, gesunde Trauben verwendet, die sofort nach der Lese auszupressen waren. Der frische Most wurde - „mit gehörigem, freien Gärraum” gleich in die Fuderfässer gefüllt, und „natürlich von den Weinschrötern” in die speziell zur Herstellung von Feuerwein eingerichtete, vorgewärmte Feuerweinkammer eingeschrotet.

Die Kammern befanden sich in den unteren Räumen oder Kellern eines Hauses, und waren nicht höher als mannshoch. Die Wände der Kammer waren mit Lehm überzogen und abgedichtet, damit sich eine gleichmäßige, zugfreie Wärme im Raum ausbreiten konnte. Als Feuerstelle diente eine Vertiefung im Boden, mit genügend Abstand zu den Fässern, die mit Ketten an den Decken frei im Raum hingen. Zur Befeuerung benutzte man vorzugsweise Buchenholz oder Holzkohle. Jetzt begann die größte Verantwortung des Feuermeisters, der mit seinem Namen für Güte und Reinheit „seines Feuerweines” bürgte. Er musste Anfang, Verlauf und Ende der Feuergärung ausführen.

Wegen der Feuergefahr gab es genaue Sicherheitsauflagen. Gehilfen hielten stets nasse Tücher bereit, falls sich ein Fass angezündet, oder sich der Feuermeister verletzt hatte. Das Szenario des „Brennens” muss in der Tat sehr beeindruckend gewesen sein. Die Hitze in der Kammer war groß, so dass der Most in kurzer Zeit heftig zu sieden anfing. Die Spundlöcher der Fässer ließ man offen, um einen Dampfabzug zu gewährleisten. Die Temperatur in der Feuerweinkammer wurde nun ca. 3 Tage lang gehalten, bis die Gärung beendet war. Um festzustellen, ob der Most genügend Feuerung erhalten hatte, hielt der Feuermeister ein brennendes Schwefelholz über das Spundloch. Erlosch das Schwefelholz, war dies ein sicheres Zeichen dafür, dass er die Feuerung beenden konnte. Nun wurde die Hitze in der Kammer langsam abgesenkt. Die Fässer beließ man noch einige Tage in der Kammer um die restliche Gärung abzuwarten.

Anfeuern zur Demonstration des FeuerweinsDann kam es darauf an, den frischen Feuerwein so schnell wie möglich zu versenden, da er nur wenige Wochen haltbar war. Dazu bestellte man wiederum die Weinschröter, die den kostbaren Trank schnell und sicher zum Käufer, oder zu den eigens dafür gedungene Nachen in Bacharach transportierten.

Woher genau die Feuerweinbereitung stammt, ist geschichtlich verborgen. Im 15. Jahrhundert herrschte ein wahrer „Feuerwein-Boom”. Durch verschärfte Steuer- und Zollgesetze erlebte der Feuerwein im 18. Jahrhundert einen Rückgang. Weiter abwärts ging es mit dem Feuerwein durch Nachahmungen und Fälschungen, die schließlich den Anlass für ein allgemeines Verbot zur Herstellung des Feuerweines führten. Im Jahre 1806 wurde in Oberdiebach der letzte Wein gefeuert.

Um die Erinnerung daran wach zu halten, richtete die Gemeinde 1993 anlässlich der 1100 Jahr-Feier eine alte Feuerweinkammer ein. Dazu gab es eine festliche Feuerweinprobe, mit eigens dafür gefeuertem Wein.