Zunft der Weinschröter von Oberdiebach

Die Gründungsmitglieder der Zunft 1993
Die Gründungsmitglieder der Zunft 1993

Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Oberdiebach, sowie aller weinbautreibenden Gemeinden, gehörte das Schröterwesen. Ohne die Weinschröter wäre der Weinhandel undenkbar gewesen. Sie brachten es fertig, mit einfachen Hilfsmitteln tonnenschwere Fässer aus tiefen, steilen und engen Kellern heraus- oder hineinzubefördern.

Die Aufgabe der Weinschröter war der Transport der vollen Weinfässer aus dem Keller heraus, auf Wagen und von dort aus zu den Auftraggebern und auch auf die Rheinschiffe. Weiterhin oblag Ihnen der Transport der so genannten Zehnt-Weine. Dies waren die Abgaben, welche die Winzer an die Burgherren oder Kurfürsten zu zahlen hatten.

Weinschröter-Männer im Keller um Fass stehendDie Weinschröter waren in Zünften organisiert. Dieser Zunft gehörten meist acht kräftige, robuste Männer an, wovon jeder seine spezielle Aufgabe hatte. Es herrschten strenge Sitten, geregelt durch eine Zunftordnung, der jeder Folge zu leisten hatte, und der im Falle der Nichteinhaltung aus der Zunft ausgestoßen wurde.

Die Bezeichnung „Schröter” wird abgeleitet von dem Wort „schroten” und entstammt der mittelhochdeutschen Sprache und bedeutet schroff, schwer,schleifen, reißen.

Angesichts des teils enormen Gewichtes der Fässer, war diese Aufgabe in der Tat ein schroffes und schwieriges Unterfangen. Kam ein Fass zu Fall und brach auf, so war nicht nur der kostbare Inhalt ruiniert, sondern nicht selten auch ein Schröter schwer verletzt. Zudem hafteten die Weinschröter für den ihnen anvertrauten Wein, bis zur Übergabe an den Fuhrmann / Schiffskapitän bzw. an den neuen Besitzer. Dem entsprechend wurde die Arbeit gut entlohnt, denn der Wein war das Gold der Winzer. Das Schröterwesen bestand bis ins 19. Jahrhundert hinein, und geriet dann durch die Erfindung der Weinpumpe nach und nach in Vergessenheit.

Wir, die „Zunft der Weinschröter von Oberdiebach e.V.” haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese alte historische Zunft wieder aufleben zu lassen und zu demonstrieren.

Und das kam so:

Die kleine Weinbaugemeinde Oberdiebach, gelegen in einem Seitental, des im Jahre 2002 von der UNESCO zum Kulturerbe ernannten Oberen Mittelrheintales, feierte im Jahre 1993 das 1100-jährige Jubiläum ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Zu diesem Anlass fanden vielerlei Aktivitäten statt. Unter anderem auch ein Festzug unter dem Motto „Oberdiebach im Wandel der Zeit”. Ein Freundeskreis aus Oberdiebach nahm sich der Aufgabe an, die schon lange in Vergessenheit geratene „Zunft der Weinschröter” darzustellen. Dazu mußten teilweise die speziellen nötigen Geräte nachgebaut, teils waren noch alte originale Gerätschaften vorhanden. Dazu wurden nach alten Vorlagen originalgetreue, historische Kostüme geschneidert.

Beflügelt vom großen Interesse der Festgäste an dieser historischen Zunft, entschlossen sie sich, dieses Handwerk auch anderen Menschen zu demonstrieren. Mit viel Freude sind die Weinschröter seither auf Weingütern, Winzerfesten, Weinproben, mittelalterlichen Märkten etc. unterwegs, und führen das risikoreiche und schwere Handwerk der Weinschröter mit Erklärung und Gesang vor. Seit Dezember 1997 sind sie als Verein zur Erhaltung Historischer Weinbaukultur unter dem Namen „Zunft der Weinschröter von Oberdiebach e.V.” eingetragen.